Kaiser Napoleon I. und Kurfürst Karl Theodor von Dalberg
am 2. Oktober 1806 vor dem Aschaffenburger Schloß Johannisburg
Gemälde von C.Bourgeois und J.B.Debret 1812
im Museum des Schlosses von Versailles
Gemäldekopie Schloßweinstuben Aschaffenburg Kelterstube

Kaiser Napoleon in Aschaffenburg

Es war gar nicht so sehr bekannt, dass sich im Schloss von Versailles ein Gemälde befindet, auf dem das Aschaffenburger Schloß Johannisburg zu sehen ist. Die Darstellung zeigt die Begegnung von Kaiser Napoleon und dem Kurfürsten von Mainz, Karl Theodor von Dalberg am 2. Oktober 1806. Das Bild war hin und wieder auf Fotos zu sehen, die allerdings auf einen Stich zurückgingen, den der französische Kupferstecher Pierre Eugène Aubert um 1840 gefertigt hat. Nach dieser Vorlage hat Godwin Alfen (Foto-Alfen) in den 70er Jahren eine Postkarte drucken lassen, die zumeist in den Schlossweinstuben vertrieben wurde. Von dem Gemälde selbst sind zwei Reproduktionen in Aschaffenburg bekannt, die sich allerdings in Privatbesitz befinden. Von einer dieser Kopien weiß man derzeit nicht, wo sie in der Erbfolge letzlich geblieben ist. Nach langen Bemühungen ist es im Jahr 2005 gelungen, von Versailles eine Reproduktionsgenehmigung zu erhalten. Damit konnte das repräsentative Gemälde in voller Größe in die Galerie der Schlossweinstuben aufgenommen werden und ist so erstmals an dem Ort sichtbar, an dem die Begegnung stattgefunden hat.

Bei einem Besuch der Delegation zum 30-jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft Aschaffenburgs mit Saint-Germain-en-Laye im Oktober 2005 stand auch eine Besichtigung des Originalgemäldes im Schloss von Versailles auf dem Programm. Dies führte zu einer Überraschung als Stadtrat Erich Henke nachfragte, ob man das Original nicht einmal nach Aschaffenburg ausleihen würde. Die überraschende Antwort des zuständigen Konservators Jérémie Benoit: "Das liegt an Ihnen, wenn sie das möchten, können sie es haben" Und ob wir wollten - und wenn das schon möglich sein sollte, dann doch bitte auch gleich die anderen Stationen, die auf Napoleons Weg lagen und im Bild festgehalten wurden. 200 Jahre nach der denkwürdigen Begegnung konnte dann tatsächlich im Oktober 1806 im Aschaffenburger Schloss eine Ausstellung mit den Originalgemälden aus Versailles eröffnet werden.

Das "Aschaffenburg-Gemälde" ist datiert mit dem Jahr 1812 und interessanterweise von 2 Malern signiert. Der erste ist Jean Baptiste Debret (1768-1848) ein Schüler von Jaques Louis David (1748-1825) mit einem interessanten Lebenslauf. Er ging 1815 nach Rio de Janeiro um dort in der Residenz des portugiesischen Königs Professor an der neubegründeten Kunstakademie zu werden. Später wurde er Hofmaler der Kaisers von Brasilien. 1831 kehrte er nach Frankreich zurück. Der zweite Maler ist Constant (Florent Fidèle Constant) Bourgois (1767-1841) ebenfalls ein Schüler Davids. Bourgois war Landschaftsmaler und lebte lange in Italien. Seine bedeutenden Werke sind vor allem in Fontainebleau und im Museum von Orleans zu sehen. In Versailles befindet sich nur das Gemälde, das die Begegnung in Aschaffenburg zeigt. Nach dem Verzeichnis des Musée de Versailles wurde die Landschaft von Bourgois und die Figuren von Debret gemalt. Das Bild wurde 1811 von Napoleon für den Salon de Conseil (ancien Salon frais) für das Grand Trianon in Auftrag gegeben. Erste gezeichnete Entwürfe sind von Debret signiert und werden in Versailles aufbewahrt. Am 4. März 1813 konnte das Bild an dem vorgesehenen Platz im Grand Trianon aufgehängt werden. Im August 1822 wurde es wieder entfernt. 1824 wird es im Magazin des Louvre erwähnt. Nach Versailles kam es unter Louis-Philippe und zwar in die historische Galerie. In Frankreich wurde eine Skizze des Gemäldes im Nachlaß des Barons Brunet-Denon erwähnt. Sie wird heute im Musée de l’Armee in Paris aufbewahrt. Das Orginal befindet sich im Kaiserzimmer (Chambre de l’Empereur) des Schlosses von Versailles, das für Besucher derzeit allerdings nicht zugänglich ist.

 

 


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